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Samstag 16.07.2022 Nr. 162

Kalte Dusche für Vereine

Corona, Krieg und Gaspreise: In der Krise ist Sport für Millionen Deutsche ein Mittel, um den Kopf freizubekommen. Doch ausgerechnet die Vereine leiden besonders, die Energiekosten fressen Löcher in ihre Kassen. Wie soll das erst im Herbst werden?

Karsten

Ein Drittel des Gasverbrauchs beim TSV Friedberg entfällt auf die Duschen. Rund 50 Menschen nutzen sie täglich. Vereinschef Karsten Weigl ruft zum Energiesparen auf. Foto: Ulrich Wagner

 

Friedberg Es könnte düster werden in der nächsten Saison für die Fußballerinnen und Fußballer des TSV Friedberg. Jetzt am Abend läuft das Training auf dem Rasenplatz gleich neben der Vierfachturnhalle am Stadtrand. „Wir überlegen, die Flutlichter weniger hell einzustellen, wenn die Energiepreise weiter so steigen“, sagt Karsten Weigl, Vorsitzender des TSV mit seinen 3500 Mitgliedern. Die Beleuchtung für den Sportplatz, die überdimensionalen Straßenlaternen gleicht, ist ein Energiefresser. Sie frisst Löcher in die Vereinskasse. Zurzeit sind es besonders große Löcher. Gleich ist Jahreshauptversammlung hier in Friedberg bei Augsburg, der Parkplatz und die Fahrradständer vor der Halle füllen sich. Weigl wird später auch über den Mitgliedsbeitrag reden müssen. Zwölf Euro monatlich für Erwachsene, 7,50 Euro für Kinder: Seit zwölf Jahren hat sich daran nichts geändert. An den Energiepreisen jedoch schon. „In fünf Jahren haben sie sich um 20 Prozent erhöht“, sagt Weigl. „Aber wenn ich die Mitgliedsbeiträge erhöhe, habe ich eine Austrittsquote von fünf bis zehn Prozent. Den Menschen fehlt das Geld im alltäglichen Leben ja genauso wie uns als Verein.“ Weigl ist keiner, der schnell in Panik verfällt, vielleicht bringt er die Ruhe und Bedachtsamkeit aus seinem Hauptberuf als Schulleiter mit. „Wir wollen den Betrieb so lange wie möglich aufrechterhalten“, sagt er. „Doch das wird angesichts der Strom- und Gasrechnungen ohne finanzielle Unterstützung vom Staat irgendwann nicht mehr machbar sein.“ Die Sparkur für die Flutlichtanlage auf dem Rasenplatz des TSV Friedberg steht buchstäblich dafür, dass es für Vereine, für Familien, einfach für jede und jeden im Herbst und Winter ungemütlich werden könnte. Wie sich die Gas- und Ölpreise entwickeln werden? Jeder weiß, dass das keiner weiß.

Der Lichtschalter in der Halle bleibt jetzt tabu

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte lange betont, Privatpersonen seien die Letzten, die von Energiesparplänen der Regierung betroffen sein werden, sollte Russlands Präsident Wladimir Putin den Gashahn zudrehen. Kürzlich klang der Grünen-Minister dann schon anders, als er die priorisierte Versorgung privater Haushalte infrage stellte. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher müssten zum Energiesparen „ihren Anteil leisten“, sagte er. So könnten die Vorgaben zur Temperatur in Innenräumen gesenkt werden, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium in Berlin. Inwieweit die Energiekrise im Herbst Sportvereine lähmen könnte, war bislang in Politik und Öffentlichkeit kein großes Thema. Als Karsten Weigl in Friedberg die Tür zu einer der Sporthallen öffnet, wandert seine Hand nicht automatisch zum Lichtschalter. „Wir haben die Abteilungen angewiesen, die Lichter wenn möglich aus zulassen“, sagt er. Noch geht das, draußen ist es lange hell. Über den Basketballkorb und die bunten Linien auf dem typisch blauen Hallenboden legen sich an diesem Juliabend um 19 Uhr aber bereits erste Schatten. Man merkt es gar nicht, doch seit Februar haben die TSV-Verantwort-lichen die Temperatur in ihren Hallen um zwei bis drei Grad gesenkt. „Energiesparen ist bei uns schon seit Jahren ein Thema, der Krieg in der Ukraine hat es noch verstärkt.“ Das Herz der Stromversorgung liegt im Keller, in einem Flur mit Bildern der Meisterteams aus dem vergangenen Jahrzehnt. Die Rohre strahlen Hitze ab, wie Arterien verlaufen sie in den Rest des Gebäudes. Das Herz schlägt, das Gas fließt – anders als bei der Pipeline Nord Stream 1 aus Russland, die seit Tagen gewartet wird. Die Menge an Gas, die die Kriegsnation nach den Arbeiten durchlassen wird – sie wird sich auswirken bis hierher in den fast fensterlosen Keller. „Das könnte im Herbst der erste Schritt sein“, prognostiziert Karsten Weigl, „dass wir sagen: Die Duschen werden nicht mehr geheizt.“ Täglich waschen sich hier rund 50 Sportlerinnen und Sportler den Schweiß des Trainings vom Körper. In den Umkleiden appellieren laminierte Schilder an sie: „Bitte Energie sparen! Kälter und kürzer duschen.“ Sollte Russland seine Gaslieferungen einstellen, befürchtet Grünen-Minister Habeck eine Preisexplosion bei den Stadtwerken. Die Bundesnetzagentur, die den Markt für Elektrizität und Gas ständig im Blick behält, warnt ebenfalls vor höheren Abschlagszahlungen. Kommt kein Gas aus dem Osten, drohe eine Verdreifachung der Preise, heißt es. Weigl duscht deswegen unter einer solarbetriebenen Dusche in seinem Garten. In der Umkleide seines Vereins trudeln nun nach und nach die Mitglieder vom „Jedermannturnen“ ein. Ernst Kratzenberger gehört seit vielen Jahren dazu. „Ich hätte nie gedacht, dass sich die Politik noch einmal so sehr auf mein Leben auswirkt“, sagt der 80-Jährige, der nach Jahrzehnten als Sportler keinen Tag älter aussieht als 74. „Natürlich mache ich mir Sorgen, wie es im Winter wird.“ Zu Hause, sagt er, fange er an zu sparen. „Die Heizung bleibt aus, den Kühlschrank haben wir auch zurückgedreht.“ Geschichten wie die eines Rentners aus Sachsen, die deutschlandweit die Runde machte und in sozialen Medien empört diskutiert wurde, verunsichern zusätzlich. Der 95-jährige Heinz Mattner hatte der Bild-Zeitung davon berichtet, dass in seiner Wohnanlage warmes Wasser bloß noch von 5 bis 22 Uhr laufe. Mattner lebt in einer Genossenschaftswohnung in Dippoldiswalde, mit den Rationierungen will die Hausverwaltung Mehrkosten abfangen. Die Heizung wird bis September komplett abgeschaltet. Der Rentner fühlt sich an die furchtbarsten Zeiten seines Lebens erinnert. „So schlimm war es nur nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagt er. „Was sollen Schichtarbeiter machen, die nachts von der Arbeit kommen?“ Aus Bayern hört man bislang keine derartige Geschichte. Dennoch arbeitet etwa die Wohnbaugruppe Augsburg, einer der größten Verwalter von Genossenschaftswohnungen in Schwaben, an einem Notfallplan für den Herbst, der „zur zeitweiligen oder dauerhaften Absenkung der Raumtemperatur in den Wohnungen führen“ könne, erklärt man auf Anfrage. Eine Ahnung vom in diesem Jahr vielleicht besonders grauen Herbst und Winter bekommen die Menschen in Deutschland dabei nicht nur durch die Nachrichten aus der Politik, sondern zum Teil auch, wenn sie durch die Straßen ihrer Heimatstädte gehen. In Augsburg greift bereits ein Notfallplan zur Reduzierung des Energieverbrauchs. Die Fassaden an historischen Bauten wie dem Rathaus und dem Dom erstrahlen abends nicht mehr im Scheinwerferlicht, die Brunnen – immerhin ein bekannter Teil des Unesco-Welterbes – sprudeln bloß noch zu eingeschränkten Zeiten. Wer schwimmen geht, muss sich teils auf zwei Grad kälteres Wasser einstellen. Mittelfristig will die Stadt eigenen Strom durch Photovoltaikanlagen erzeugen und bei der Beleuchtung auf LED umstellen. In Bad Tölz werden Ferienkurse im Eisstadion abgesagt, in Grafrath im Kreis Fürstenfeldbruck kann die Turnhalle nicht wie gewohnt genutzt werden, weil sich die Gemeinde das Geld für die Beleuchtung spart. Gerade jetzt bräuchten die Menschen aber ihre Vereine, sagt Jörg Ammon, Präsident des Bayerischen Landes-Sportverbands (BLSV) – und so fließen die energiepolitischen Sorgen von Funktionären und Privatpersonen eben zusammen. „Wir appellieren an die Politik, davon abzusehen, jetzt schon in vorauseilendem Gehorsam kommunale Schwimmbäder und andere Sportstätten zu schließen“, sagt der BLSV-Präsident. „Das ist sicher nicht die richtige Antwort auf die Energiekrise. Die Menschen brauchen ihre Vereine und ihre Sportstätten, nach der Pandemie mehr denn je.“ Ammon ist sich wohl bewusst, dass die steigenden Energiekosten manche Vereine in eine prekäre Lage stürzen können. „Die Politik muss die bayerischen Vereine jetzt weiter finanziell unterstützen. Wir befinden uns dafür seit einigen

Sportler fordern Unterstützung von der Regierung

Wochen schon in intensiven Gesprächen mit dem Innen- und dem Wirtschaftsministerium. Sportvereine sind gemeinnützig, sie gehören den Menschen vor Ort – und deshalb sind die öffentlichen Gelder dort auch sinnvoll investiert.“ Ammon ist zuversichtlich, dass die Staatsregierung das erkennen wird – so wie in der Corona-Krise, als sie die Vereinspauschale kurzfristig verdoppelte. Gleichzeitig empfiehlt der BLSV seinen Vereinen, die Mitgliedsbeiträge anzupassen und die steigenden Energiepreise dabei zu bedenken. Der TSV-Vorsitzende Karsten Weigl in Friedberg hat seinen Rundgang über das Trainingsgelände beendet. Auch er setzt auf den Notfallplan seines Vereins und auf Gelder von der Politik. „Meine Hoffnung ist momentan noch sehr viel größer als die Sorge“, sagt der 48-Jährige zum Schluss. Das muss er nur noch seinen Mitgliedern vermitteln.  

 

  


15.03.22

220221 mehrgeben TSV1862Friedberg Ihr

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